Über die DGS-Geschichte

4. Die DGS und der Nationalsozialismus von Alexandra Schauer & Silke van Dyk

6. DFG-Projekt "Erschließung der Alfred-Schütz-Handbibliothek und der Akten der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS)"

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Deutsche Gesellschaft für Soziologie (DGS): Die akademische soziologische Vereinigung seit 1909*

von Wolfgang Glatzer

Vorwort

Dass Marianne Weber ihrem Gatten Max Weber 1911 zum Geburtstag wünschte: "Der Teufel hole die soziologische Gesellschaft ... denn außer den hübschen Tagungen wird sie ein leerlaufender Apparat bleiben!" (zitiert nach von Ferber 1959) ist Ausdruck einer konfliktreichen Lage, welche die Deutsche Gesellschaft für Soziologie (DGS) in den meisten Phasen ihrer Geschichte kennzeichnete, freilich ohne dass sich Marianne Webers Wunsch erfüllte. Inzwischen blickt die DGS auf eine mehr als 90-jährige Geschichte zurück, deren Entwicklungsverlauf und zentrale Ereignisse im Folgenden betrachtet werden.

Als die DGS 1909 gegründet wurde, gab es im Deutschen Reich weder einen Lehrstuhl für Soziologie noch eine soziologische Zeitschrift noch irgendwelche anderen Merkmale, wie sie etablierte Wissenschaften aufweisen. Die DGS wuchs seit ihrer Gründung von einer kleinen Gruppe soziologisch interessierter Gelehrter (ausschließlich Männer) zu einer größeren akademischen Vereinigung in der Bundesrepublik Deutschland mit einer Mitgliedschaft von ungefähr 1300 Personen (beiderlei Geschlechts). Die zentrale Veranstaltung der DGS war über die ganze Zeit der Deutsche Soziologentag, der zwischen 1910 und 1998 insgesamt 29-mal stattfand - seit 1995 unter neuem Namen - und somit zu sehr unterschiedlichen Phasen der deutschen Geschichte abgehalten wurde. Auf diese Weise spiegeln die publizierten Konferenzbände der Soziologentage wider, in wie weit sich die Soziologen durch die Probleme ihrer Zeit herausgefordert fühlten.

In dieser Abhandlung wird die Entwicklung der DGS in chronologischer Reihenfolge unter Konzentration auf die wichtigsten Ereignisse und strukturellen Charakteristika beschrieben. Die DGS wird in ihrer Beziehung zur langsamen Etablierung der soziologischen Profession und zu den sie umgebenden gesellschaftlichen Entwicklungen und Krisen betrachtet. Dabei werden fünf Phasen unterschieden: Die Gründungszeit der DGS um 1909, die Zeit der Weimarer Republik 1919 bis 1933, die nationalsozialistische Zeit 1933 bis 1945, die Nachkriegszeit 1946 bis 1968 und die letzten Jahrzehnte seit 1969.

 

I. Die Gründung der DGS als Differenzierungsprozess sozialwissenschaftlicher Institutionen

Die DGS entwickelte sich in einem Prozeß der Differenzierung sozialwissenschaftlicher Einrichtungen und war selbst der Ausgangspunkt für weitere Institutionen. Lange Zeit, bevor die DGS ins Leben gerufen wurde, vertrat der 1858 gegründete Volkswirtschaftliche Kongress eine prononcierte wirtschafts- und gesellschaftspolitische Position (Gorges 1980, S. 38). Seine Mitglieder waren Anhänger des frühen Liberalismus und Manchester-Kapitalismus und wandten sich gegen oppositionelle Ideen, insbesondere auch gegen moderate, nicht-marxistische Positionen. Dies war der Auslöser für die Gründung des "Vereins für Socialpolitik", dem insbesondere Professoren, aber auch andere Mitglieder angehörten. Er wurde zu einem wichtigen Forum der Sozialwissenschaften im Kaiserreich, dessen Anhänger für sozialpolitische Innovationen und friedliche Reformen eintraten. Gesellschaftspolitisch bezogen sie Position zwischen Liberalismus und Marxismus, und nicht selten wurden sie als Kathedersozialisten kritisiert. Als ihre Hauptaufgabe bildete sich die Unterstützung sozialwissenschaftlicher Enqueten über soziale Probleme heraus, die als wissenschaftliche Voraussetzung sozialer Reformen angesehen wurden (Gorges 1986). Dies stimulierte intensive politische Debatten. Die damit verbundenen Konflikte werden in den Chroniken des Vereins für Socialpolitik aus der damaligen Zeit viel offener berichtet als es heute geschieht (Boese 1939). So läßt sich nachlesen, dass bereits 1905 ein Disput zwischen Gustav Schmoller, dem angesehenen langjährigen Präsidenten des Vereins für Socialpolitik, und Max Weber nur oberflächlich durch Briefwechsel beigelegt werden konnte.

Eine kleine Gruppe von 39 Wissenschaftlern, die sich als Förderer einer heraufziehenden Soziologie verstanden, gründete am 3. Januar 1909 im Hotel Esplanade in Berlin die Deutsche Gesellschaft für Soziologie. Zu dieser Zeit gab es bereits die amerikanische soziologische Vereinigung, die 1906 gegründet worden war (Hardin 1977, S. 23). Am Anfang der DGS wurden drei Vorsitzende gewählt: Präsident wurde Ferdinand Tönnies, dem insbesondere für sein bereits 1887 veröffentlichtes Werk "Gemeinschaft und Gesellschaft" mehr und mehr Anerkennung zuteil wurde (Clausen/Schlüter 1991). Zum Vorstand gehörten außerdem Georg Simmel und Friedrich Herkner, der bald durch Werner Sombart ersetzt wurde. Max Weber nahm die Position eines "Rechners" für sich in Anspruch. Die Herkunft der Soziologie aus ihr nahestehenden Wissenschaften kommt in den Professionen der Gründungsväter zum Ausdruck. Mitglieder aus dem ersten Vorstand waren aus den Feldern der Ökonomie, Statistik, Philosophie, Psychologie, Geschichte, Rechtswissenschaft, Sozialpolitik und Theologie. Manchmal, wie in den Fällen von Ferdinand Tönnies und Max Weber, konnten die Mitglieder auf das Studium mehrerer Fächer verweisen. Neben den oben erwähnten Mitgliedern wurde die Einladung, die DGS zu gründen, unterzeichnet u.a. von Paul Bahrt (Leipzig), Hermann Cohen (Marburg), Rudolf Goldscheid (Wien/Berlin), Hermann Kantorowicz (Freiburg), Franz Oppenheimer (Berlin), Werner Sombart (Berlin), Ernst Troeltsch und Alfred Weber (beide Heidelberg).

Der berühmte Werturteilsstreit über die Rolle von Wertungen in der Wissenschaft spielte bei der Trennung der DGS vom Verein für Socialpolitik sicher eine ernst zu nehmende Rolle, aber es wurden auch Zweifel geäußert, ob es wirklich der wichtigste Streitpunkt gewesen sei (Rammstedt 1991). Von Beginn an waren grundverschiedene Persönlichkeiten mit eigenen Interessen, wie neben Max Weber insbesondere Rudolf Goldscheid, vertreten, die die Idee, die DGS zu gründen, durchsetzten (Honigsheim 1959). Interessanterweise stellt Ferdinand Tönnies im Nachruf für Rudolf Goldscheid fest "Der Gedanke einer solchen Gesellschaft hat zuerst in ihm Gestalt gewonnen" (Tönnies, 1932, S. 430).

Die Verhandlungsprotokolle des 1. Deutschen Soziologentages 1910 in Frankfurt sind ein Dokument der Etablierung einer neuen Wissenschaft. Die Referenten nahmen die Fragen nach dem Gegenstand der Soziologie, nach ihrer methodologischen Begründung und nach ihrer Beziehung zu anderen wissenschaftlichen Disziplinen auf. Der 2. Deutsche Soziologentag, der 1912 in Berlin abgehalten wurde, wandte sich der Frage der Nation und Nationalitäten zu und warf damit ein Problem auf, dessen brisante Aspekte damals nicht ausreichend erkannt wurden.

Die Gründung der DGS bedeutete keinesfalls das Ende für den Differenzierungsprozess sozialwissenschaftlicher Institutionen. Bereits 1929 gab es die Loslösung der Deutschen Gesellschaft für Statistik von der DGS. Die Statistiker hatten seit 1911 eine Abteilung der DGS gebildet (Müller 1932). Ihr Vorsitzender Georg von Mayr verstand Statistik als Gesellschaftslehre auf der Grundlage erschöpfender Massenbeobachtungen (Grohmann 1989). Die Distanz von Soziologie und Statistik war nicht so groß, wie man es heutzutage vermuten würde und dennoch setzten sich mittelfristig die Verselbständigungstendenzen durch. Im Hinblick auf die Wissenschaft von der Politik ist festzustellen, dass ihre Organisationen erst viele Jahre später entstanden. Die "Deutsche Vereinigung für politische Wissenschaft" (DVPW) wurde 1950 gegründet und als Konflikte um die Grundsätze politikwissenschaftlicher Arbeitsweise entstanden, erfolgte vorübergehend eine Auftrennung durch die neugebildete "Deutsche Gesellschaft für Politikwissenschaften" Mitte der 70er Jahre (Naßmacher 1994, S.434). Es erfolgten auch Differenzierungsprozesse der deutschsprachigen Soziologie in internationaler Hinsicht: Die Österreichische Gesellschaft für Soziologie wurde 1950 gegründet, die Schweizer Gesellschaft für Soziologie im Jahr 1955. Ein weiterer Verband für Soziologen wurde 1972 mit Förderung der DGS eingerichtet: der Berufsverband Deutscher Soziologen e.V. (BDS) hat als Anliegen die professionelle Vertretung von Soziologen und kooperiert in gemeinsamen Anliegen mit der DGS.

Das Aufkommen neuer Vereinigungen, die aus älteren hervorgehen, ist gewöhnlich ein Resultat von Kontroversen über die Perspektiven und Paradigmen der wissenschaftlichen Disziplinen. Diese Kontroversen enden gewöhnlich nicht, vielmehr halten die alten Dispute in den neuen Organisationen meistens an. Der Verein für Socialpolitik verstand sich selbst als Vermittler zwischen der Welt der Wissenschaft und der Welt praktischer Akteure (Schmoller 1912). Die Abspaltung der DGS wurde unterstützt von Sozialwissenschaftlern, die politische Verlautbarungen innerhalb der Sozialwissenschaften vermeiden wollten. Max Webers Idee der Wertfreiheit fand ihren Niederschlag in der ersten Satzung der DGS: "Ihr Zweck ist die Förderung der soziologischen Erkenntnis durch Veranstaltung rein wissenschaftlicher Untersuchungen und Erhebungen, durch Veröffentlichung rein wissenschaftlicher Arbeiten und durch Organisation von periodisch statt findenden deutschen Soziologentagen." (DGS 1910, S. V). Es wurde hinzugefügt, dass alle sozialwissenschaftlichen Ansätze und Methoden gleichmäßig Raum erhalten sollten und dass keine Vertretung irgendwelcher praktischer Ziele (ethisch, religiös, politisch, ästhetisch) vorgenommen werden sollte.

Die Betonung des Zieles der Wertfreiheit wurde nicht allzulange aufrechterhalten. Es ist eine ironische Implikation des Prinzips der Wertfreiheit, dass es schließlich mehr Wertdiskussionen und wissenschaftspolitische Auseinandersetzungen als die meisten anderen Probleme verursachte. Im Anschluss an die verstärkten Dispute auf dem 2. Deutschen Soziologentag erklärten Max Weber, Georg Simmel und Alfred Vierkandt im Jahr 1913 ihren Rücktritt aus dem Vorstand (Karger 1978, S. 110). Am Vorabend des Ersten Weltkriegs war die DGS hauptsächlich damit befasst, ihre eigene Organisation zu stabilisieren. Im Ersten Weltkriegs waren nicht wenige der bedeutenden DGS-Mitglieder an der Mysthifizierung und Glorifizierung des Krieges beteiligt. So erschien Alfred Weber der Erste Weltkrieg als "sphinxhaftes Riesenrätsel", das kaum zu erklären sei (Papcke 1985, S.139).

II. Die DGS während der Weimarer Republik

Die Wiederbelebung der DGS nach dem 1. Weltkrieg wurde vom Forschungsinstitut für Sozialwissenschaften in Köln initiiert, das als erstes soziologisches Forschungsinstitut 1919 gegründet wurde. Die erste Sitzung des Vorstands und des Hauptkomitees der DGS wird auf 1920 datiert (Gorges 1986, S. 80). Die Ziele der Vereinigung wurden neu definiert: "Die DGS ist eine Gelehrtengesellschaft, die den Zweck hat, den Gedankenaustausch zwischen ihren Mitgliedern zu fördern, und von Zeit zu Zeit öffentliche Soziologentage zu veranstalten. Sie widmet sich den Problemen der reinen und der angewandten Soziologie unter Einschluss der Sozialpolitik" (zitiert nach Karger 1978, S. 173). Die explizite Erwähnung von angewandter Soziologie und Sozialpolitik indiziert - verglichen mit der ersten Satzung - eine markante Veränderung, die als eine partielle Wiederanpassung an die Prinzipien des Vereins für Socialpolitik gesehen werden muss. Damit schien eine zufriedenstellende Regelung gefunden worden zu sein, denn die DGS arbeitete unter der gleichbleibenden Satzung und demselben Präsidenten Ferdinand Tönnies die ganzen Jahre der Weimarer Republik hindurch.

Regelmäßig seit 1922 wurde alle zwei Jahre ein Deutscher Soziologentag abgehalten. Das Hauptthema von 1922 in Jena war die "Revolution", und zum ersten Mal gewann eine Konfrontation von marxistischen und bürgerlichen Positionen auf einem Soziologentag einige Bedeutung (von Wiese 1959, S. 13). 1924 gab es in Dresden Diskussionen über Soziologie, Sozialpolitik und Sozialstruktur. Der Soziologentag in Wien 1926 befasste sich mit dem Konzept der "Demokratie", und der Soziologentag, der 1928 in Zürich abgehalten wurde, konzentrierte sich auf die "Konkurrenz". Diese beiden Konferenzen außerhalb von Deutschland zeigen an, dass Soziologen aus Österreich und der Schweiz dem sozialen Netzwerk der DGS angehörten. Aber es dauerte dann bis 1988, bis erneut ein Soziologentag in Zürich veranstaltet wurde. Der letzte Soziologentag in der Weimarer Republik fand 1930 wieder in Berlin mit dem Thema "Die Presse und die öffentliche Meinung" statt. Diese Thematik, die ursprünglich vom bereits 1920 verstorbenen Max Weber vorgeschlagen worden war, war sicherlich eine innovative Tagungsproblematik. Zur gleichen Zeit fanden aber der Niedergang der ersten deutschen Demokratie, die Weltwirtschaftskrise mit ihrer außerordentlichen Arbeitslosigkeit und die verbreitete Armut keinen Ausdruck in der Thematik eines Soziologentags. Wie es auch in anderen Dokumenten deutlich wird (vgl. Käsler 1985), ist der Aufstieg des Nationalsozialismus nur in seltenen Fällen vorhergesehen worden.

Die Weimarer Zeit kann als die Take-off-Phase der Soziologie betrachtet werden. Auf die Gründer der Soziologie aufbauend etabliert sich die Soziologie während der Weimarer Republik als wissenschaftliche Disziplin mit zunehmender kognitiver Differenzierung und empirischen Forschungsstrategien (Habermas 1992, S. 184). Vor der Weimarer Zeit war die Soziologie an den Universitäten nicht vertreten. Während dieser Zeit etablierten sich erste Lehrstühle und Forschungsinstitute, aber es war immer noch nicht möglich, Soziologie als Hauptfach zu studieren. Am Ende der Weimarer Republik wurden die meisten Soziologen unter dem Druck des Nationalsozialismus zu Flüchtlingen. Aber die Art des Neubeginns nach dem 2. Weltkrieg ist ohne die Erfolge der Soziologie in der Weimarer Zeit nicht vorstellbar.

 

III. Die DGS und der Nationalsozialismus

Als die nationalsozialistische Machtergreifung im Januar 1933 erfolgte, existierte die DGS zunächst weiter, obwohl ein Teil ihrer Mitglieder bereits das Land verlassen hatte bzw. gerade verließ. Was dann mit der DGS geschah, ist teilweise unklar und ein interessantes Beispiel dafür, wie schwierig es ist, Begebenheiten zu klären, die moralisch fragwürdig erscheinen. Im Bericht von Leopold von Wiese, der selbst in die Ereignisse einbezogen war, wird dargestellt, dass im Verlauf des Jahres 1933 der DGS-Präsident Ferdinand Tönnies, der in starker Opposition zum Nationalsozialismus stand, sein Amt niederlegte. Er wurde durch drei Vorsitzende ersetzt: Hans Freyer, einer Vertrauensperson der Nationalsozialisten, Werner Sombart und Leopold von Wiese, die sich beide seit langer Zeit im Vorstand engagiert hatten. Aber später wurde aufgrund von Wünschen des Kultusministeriums der Erstgenannte zum Führer der Vereinigung ernannt, und die beiden anderen hatten ihren Abschied zu nehmen. Nach einem Treffen der auf diese Weise umgewandelten DGS im Januar 1934 entschied Hans Freyer, "die Aktivitäten der Vereinigung einzustellen" (von Wiese 1959, S. 17).

Der Soziologe Helmut Schelsky, der bekanntlich in der Nachkriegszeit sehr einflussreich wurde, war während der fraglichen Zeit ein Schüler von Hans Freyer. Er führt die Entscheidung von Freyer, die DGS zu schließen, auf dessen moralische Persönlichkeit und seine grundsätzlich liberale Auffassung von Wissenschaft zurück (Schelsky 1981, S. 23). Er nimmt an, dass die Entscheidung von den Nationalsozialisten akzeptiert wurde, weil das Fach Soziologie ihnen zu unbedeutend war, um es in den Prozess der Gleichschaltung einzubeziehen. Vielmehr wünschten die Nationalsozialisten, dass die Bezeichnung Soziologie verschwände, und praktizierten dies insoweit, als sie die Bezeichnung bei neu geschaffenen Lehrstühlen vermieden und bei älteren umwandelten (Schelsky 1981, S. 25).

Diese Beschreibungen und Interpretationen werden von anderen Soziologen nicht akzeptiert. Otthein Rammstedt zufolge, der eine Rekonstruktion der deutschen Soziologie von 1933 bis 1945 vornahm, soll die DGS unter dem Vorsitz von Hans Freyer einige Jahre über 1933 hinaus aktiv geblieben sein (Rammstedt 1986, S. 19). Allerdings sind die Dokumente dazu während des Krieges verbrannt. Zwar gibt es einzelne Erwähnungen der DGS nach 1933, aber ob daraus auf anhaltende Aktivitäten geschlossen werden kann, ist äußerst zweifelhaft. Ein Nachweis, dass die DGS Teil eines anhaltenden soziologischen Engagements während des Dritten Reiches war, lässt sich nicht führen. Aber die Information, wie sehr ein Teil der Sozialwissenschaftler mit nationalsozialistischen Behörden kooperierte, war weitgehend in Vergessenheit geraten (vgl. Paulsen 1988). 

Das Resümee von M. Rainer Lepsius (1979, S.28/29) lautet zu 1933 folgendermaßen: "... die Deutsche Gesellschaft für Soziologie hatte zu funktionieren aufgehört ... Unter ihrem Namen fanden keine Veranstaltungen statt, sie hat keine politisch verfolgten Mitglieder förmlich ausgeschlossen, keine neuen und möglicherweise nationalsozialistischen Mitglieder aufgenommen und keine Mitgliedsbeiträge erhoben". Diese Sichtweise ist konform mit anderen Beschreibungen (Matthes 1981, S. 38), insbesondere mit jenen, die auf dem Hintergrund des Nachlasses von Ferdinand Tönnies erstellt wurden (Käsler 1984, S. 513). Es erfolgte offenbar keine formale Auflösung wie im Fall des Vereins für Socialpolitik, dessen Mitglieder 1936 die Auflösung erklärten (vgl. Boese 1939, S. 291).

Aber ohne Zweifel erfuhren die Aktivitäten der DGS am Ende der Weimarer Republik einen Bruch, und wurden nach dem Januar 1934 nicht fortgeführt. Auch die Entwicklung der Soziologie im Allgemeinen ist beim Übergang in das Dritte Reich weit mehr als Kontinuitätsbruch und keinesfalls als Fortsetzung der soziologischen Tradition zu verstehen (König 1987, S. 388). Doch dies wird mit dem Verweis auf anhaltende Aktivitäten von Soziologen unter dem Nationalsozialismus, wenn auch in veränderter Form und Erkenntnisrichtung, teilweise infrage gestellt.

So gab es Versuche "völkischer" Soziologen, sich zu organisieren, und eine "Reichssoziologie" aufzubauen (Klingemann 1996). Es ist auch interessant, dass einige wenige, teilweise unbekannte deutsche Soziologen am amerikanischen soziologischen Kongress 1934 teilnahmen, ebenso am 12. Internationalen Kongress in Brüssel und am 13. in Paris 1937 (Rammstedt 1986, S. 21). Dies bestätigt die Einschätzung, dass Emigration offensichtlich nicht die einzige Reaktion der Soziologen war. In die Emigration gingen so gut wie alle angesehenen Soziologen, insbesondere diejenigen von jüdischer Herkunft, die maßgeblich zur Reputation der deutschen Soziologie in der Weimarer Zeit beigetragen hatten. Sie wurden aus ihren Professuren verdrängt, erhielten ihre Pensionen gekürzt und litten zusammen mit ihren Familien (Käsler 1985). Eine Anzahl von Soziologen versuchte, das Dritte Reich in Deutschland zu überstehen, ohne sich dem Nationalsozialismus anzupassen, und riskierten dabei ihre berufliche Entwicklung. Eine dritte Gruppe bekannte sich mehr oder weniger offen zur nationalsozialistischen Ideologie und definierte sich selbst als völkische Soziologen (Maus 1959). Dies mag eine sehr grobe Typisierung sein angesichts der Kompliziertheit der individuellen Lebensläufe und des Umstands, dass einige Soziologen im Laufe der Zeit zwischen den verschiedenen Verhaltensmustern wechselten. Alles in allem spricht vieles dafür, ein emphatisches Verständnis von Soziologie aufrechtzuerhalten, wie es Lepsius tut (1979, S.28): "Eine nationalsozialistische Soziologie ist jedoch nicht entstanden, und sie konnte schon deswegen nicht entstehen, weil der rassistische Determinismus der nationalsozialistischen Weltanschauung das Gegenprogramm einer soziologischen Analyse darstellte." Diese Stellungnahme aus den Siebziger Jahren blieb nicht das letzte Wort. In den neunziger Jahren brachen Bewertungsunterschiede der Rolle der Soziologie im Nationalsozialismus erneut auf. Kontinuität und Bruch der Soziologie im Dritten Reich wurden in gegensätzlichen Diskussionsbeiträgen wieder zur Debatte gestellt (vgl. die Beiträge im Mitteilungsblatt Soziologie 3/1997, 4/1997, 1/1998, 2/1998).

 

IV. Die Nachkriegsperiode 1946 bis 1968

Dass die DGS 1946 bereits wiedergegründet wurde, überrascht und bedarf der Erklärung. Unter den Soziologen, die das Dritte Reich in Deutschland überstanden hatten, befand sich Leopold von Wiese, der bereits Schriftführer in der DGS vor 1933 gewesen war und nun die Initiative zur Wiedergründung ergriff (von Wiese 1959, S. 17). Wie es aussieht, war es für sein Vorhaben sehr wichtig, dass er die Unterstützung von Edward Y. Harthorne, dem Universitätsoffizier der amerikanischen Militärverwaltung, erhielt. Dieser war ein Schüler und Kollege von Talcott Parsons und hatte über die deutsche Universität und den Nationalsozialismus gearbeitet und publiziert (Gerhardt 1993, S. 5, 60). Entsprechend wohlwollend reagierte er auf soziologische Anliegen, wurde aber bereits 1946 bei einem Straßenüberfall getötet.

Die Nachkriegs-DGS wurde am 5. und 6. April 1946 in Bad Godesberg gegründet; Leopold von Wiese wurde ihr erster Präsident und blieb es bis 1955. "Diese rasche Reaktivierung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie wurde getragen von bürgerlich-liberalen Wissenschaftlern, die Leopold von Wiese zusammenführte" (Lepsius 1979, S. 29). Von Wiese war 70 Jahre alt, als er Präsident der DGS wurde, und er hat anschließend - in Zusammenarbeit mit Heinz Sauermann - noch im Jahr 1946 den 8. Deutschen Soziologentag in Frankfurt organisiert. Es gab keine übergreifende Thematik, aber immerhin hieß auf Anregung von Hawthorne der Beitrag des Präsidenten "Die gegenwärtige Situation, soziologisch betrachtet". Wenn man erwartet, dass Versuche, den Nationalsozialismus zu analysieren und zu erklären, durchgeführt worden wären, so wird diese Erwartung in allen Tagungsbeiträgen enttäuscht. Dazu sind nur wenige und zudem oberflächliche Bemerkungen zu finden. Im Beitrag von Wieses wird der Aufstieg des Nationalsozialismus ganz unsoziologisch als metaphysisches Ereignis erläutert. Während der folgenden Soziologentage, die im Jahr 1948 in Worms, 1950 in Detmold, 1952 in Weinheim, 1954 in Heidelberg abgehalten wurden, gab es eine Vielfalt von Themen, die von Jugend über Terrorismus bis zu Bürokratie, Berufswahl und Ideologie reichten.

1955 folgte auf Leopold von Wiese Helmuth Plessner als Präsident. Er leitete die Soziologentage von Bad Meinberg 1956 über "Tradition" und Berlin 1959 über "Die Rolle der Soziologie in modernen Gesellschaften". Der Berliner Soziologentag hatte einen besonderen Charakter, da er zum 50. Jahrestag der DGS-Gründung stattfand. Neben der langen Liste der Referenten ist es interessant im Hinblick auf die damalige Reputation der Soziologie, dass der Regierende Bürgermeister von Berlin, Willy Brandt, die Konferenz eröffnete und der Bundespräsident, Theodor Heuß, der selbst ein Mitglied der DGS war, seine Nicht-Teilnahme mit Krankheit entschuldigte. Von den drei großen konkurrierenden "Schulen" der Nachkriegssoziologie, die in sich durchaus heterogen waren, war die Frankfurter Schule durch Max Horkheimer und Theodor W. Adorno, die Kölner Schule durch Leopold von Wiese und René König vertreten. Helmut Schelsky aus Münster, der die dritte Schule bildete, kündigte einen Beitrag an, erschien jedoch nicht und publizierte im Anschluss; die "Ortsbestimmung der deutschen Soziologie" (Schelsky 1959, S. 11). Auch danach hielten konfliktreiche Diskussionen an. Beginnend mit einem Treffen im Jahre 1961 wurde der bekannte Positivismusstreit ausgetragen. Kritische Theorie und kritischer Rationalismus waren die opponierenden Paradigmen, die in der ersten Runde von Theodor W. Adorno und Karl Popper und in der zweiten Runde von Jürgen Habermas und Hans Albert repräsentiert wurden. Dieser Disput wurde über mehrere spezielle Tagungen hinweg aufrechterhalten, ohne dass eine Konsenslösung gefunden werden konnte.

Eher unmerklich blieb, dass sich in der Zeit von Helmuth Plessner und seinem Nachfolger Otto Stammer die DGS von einer Honoratioren-Vereinigung zu einem etwas offeneren akademischen Club wandelte, dem auch jüngere Gelehrte angehörten. Als 1964 der Max Weber-Soziologentag abgehalten wurde, hielt die DGS damit Rückblick auf die Person, die das Schicksal der Organisation vermutlich am meisten beeinflusst hat. Auf diesem Soziologentag war einer der Referenten Herbert Marcuse, der zu dieser Zeit noch wenig Beachtung fand, aber bald danach zum philosophischen Mentor der aufkommenden Studentenbewegung werden sollte. Der Frankfurter Soziologentag von 1968 markiert einen signifikanten Wandel für die DGS (Korte 1992, S. 213). Unter der Thematik "Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft" wurden harte, aber nichtsdestoweniger intellektuell stimulierende Diskussionen ausgetragen. Ein Blick auf die Protokolle zeigt, daß die Gegensätze zwischen Ralf Dahrendorf (dem Vorsitzenden der DGS) und Theodor W. Adorno (dem Vorsitzenden des Organisationskomitees) nichts Unübliches in der langen Geschichte der DGS darstellen. Wahrscheinlich sind die marxistischen Thesen in Adornos Beitrag der Ausdruck eines neuen linken Selbstbewusstseins. Überraschend waren vor allem die unkonventionellen Aktivitäten der Studenten, die im Verlauf der Studentenbewegung mit dem traditionellen Stil politischen Protests brachen. Nicht zuletzt dies war so schockierend, dass es zu einem Moratorium von sechs Jahren kam, bevor es wieder einen Soziologentag gab. Nur auf diese Weise glaubte der Vorstand damals die Einheit der DGS retten zu können.

 

V. Die DGS in den Jahrzehnten nach 1968

Nach den Problemen von 1968 wurden vom DGS-Vorstand öffentliche Soziologentage aufgeschoben und eine neue Satzung in Angriff genommen, die vor der Machtübernahme durch die Ausserparlamentarische Opposition (APO) schützen sollte. Die geschaffene  Satzung, die nach wie vor gültig ist, definierte die Hauptorgane das Konzil, den Vorsitzenden, den Vorstand und die Sektionen. Eine Neuerung stellt insbesondere das Konzil dar, das durch die Zahl von 30 Mitgliedern ermöglicht, eine größere Zahl von Soziologen an den DGS-Aktivitäten zu beteiligen. Die Wahl des Vorstands und des Konzils erfolgt nicht mehr in Vollversammlungen, sondern durch Briefwahl aller Mitglieder. Die Ziele der DGS wurden neu definiert: "Die Deutsche Gesellschaft für Soziologie ist eine wissenschaftliche Gesellschaft, die den Zweck hat, soziologische und sozialwissenschaftliche Probleme in Wort und Schrift zu erörtern, den Gedankenaustausch ihrer Mitglieder zu fördern, an der Verbreitung und Vertiefung soziologischer Denkweise mitzuwirken, und sich an der Klärung von Fach- und Studienfragen der Soziologie zu beteiligen." Hinzugefügt wurde die Pflege der Beziehungen zur Soziologie des Auslands. Dies war ein weiterer Schritt weg von der kleinen Gelehrtengemeinschaft in die Richtung einer breiten  sozialwissenschaftlichen Vereinigung, nicht zuletzt, weil die Akzeptanz von Mitgliedern, die bis dahin auf Professoren beschränkt war, auf promovierte Soziologen erweitert wurde.

Als die neue Satzung offiziell verkündet wurde, hatte sich Ralf Dahrendorf bereits in die politische Praxis begeben. Erwin K. Scheuch als sein Stellvertreter übernahm die Aufgabe des Vorsitzenden für die Übergangsperiode. Der erste Vorsitzende, der unter den neuen Regeln gewählt wurde und sein Amt im Januar 1971 antrat, war M. Rainer Lepsius. Er widmete sich vor allem der Aufgabe, die Organe, die die Satzung vorsah, zu aktivieren. Daneben war wohl die wichtigste Innovation die Herausgabe der offiziellen Informationsbroschüre "Soziologie - Mitteilungsblatt der Deutschen Gesellschaft für Soziologie", die zuerst 1971 erschien und bis heute, nun mit vier Ausgaben jährlich, den Mitgliedern zugeschickt wird. Aktuelles und grundlegendes Wissen über und um die DGS sowie die Lage des Faches wird darin angeboten; in jüngerer Zeit wurden viele Essays über die Probleme der Soziologie-Lehre veröffentlicht und ebenso wurden Probleme der sozialwissenschaftlichen Forschung behandelt.

Es dauerte bis 1974, bis die DGS wieder einen Soziologentag - in Kassel - abhielt; er erhielt das Thema "Zwischenbilanz der Soziologie". Zwei Jahre später wurde diese Thematik auf dem Soziologentag in Bielefeld fortgesetzt. Von nun an wurden Soziologentage wieder ziemlich regelmäßig alle zwei Jahre unter verschiedenen Themen durchgeführt. Der DGS-Vorsitzende wechselte von den frühen 70ern bis zum Anfang der 90er Jahre regelmäßig alle vier Jahre, d.h. jeder Vorsitzende wurde einmal wiedergewählt. Erst in den neunziger Jahren wurde mit dieser Tradition wieder gebrochen, als Bernhard Schäfers und Lars Clausen jeweils nur zwei Jahre amtierten. Als Karl-Martin Bolte, der M. Rainer Lepsius folgte, Vorsitzender wurde, wurden die Bemühungen verstärkt, einen Lehrkanon für die Soziologie zu entwickeln und alle folgenden Vorsitzenden wurden von solchen Ansprüchen mehr oder weniger herausgefordert. Insbesondere in der Periode von Joachim Matthes war eine der dominierenden Aktivitäten, die Richtlinien für die Lehre der Soziologie auszuarbeiten, und auch Vorschläge für eine minimale Ausstattung der soziologischen Studiengänge wurden entwickelt. Als Burkart Lutz (1983-1986) folgte, war in seiner Amtszeit die Qualität der Lehre wieder ein besonderer Punkt, wobei sich die Vorsitzende des Ausschusses für Lehre - Ingrid Sommerkorn - langfristig engagierte. In der Zeit des Vorsitzes von Wolfgang Zapf (1987 - 1990) wurde die praktische Anreicherung der Qualität der Lehre durch eine kommentierte Leseliste vorbereitet. Sie wurde 1991 als spezielles Heft der "Soziologie" veröffentlicht und enthält, an den Sektionen orientiert für die verschiedenen Felder der Soziologie ausgewählte Grundlektüre (letzte Ausgabe DGS 1995, Heft 4; bevorstehend 1999, Heft 1). Es erfolgte auch die Erklärung zur Unterstützung der Volkszählung 1987, die zu einem öffentlichen Disput geworden war. Der DGS-Vorstand wurde außerdem mit der Heskemer Protestation konfrontiert, die zu einer stärkeren Professionalisierung der Organisation aufforderte. Aber diese Problematik trat zurück, als die überraschend sich vollziehende Wiedervereinigung immer mehr Aufmerksamkeit auf sich zog.

Der 24. Deutsche Soziologentag, der 1988 in Zürich abgehalten wurde, war - wie bereits 1928 in Zürich - ein Dreiländerkongress der Österreichischen, der Deutschen und der Schweizer Gesellschaft für Soziologie. Wolfgang Zapf hatte erreicht, dass eine Delegation von Soziologen aus der Deutschen Demokratischen Republik teilnahm. Zwei Jahre später befasste sich der 25. Soziologentag in Frankfurt mit der "Modernisierung moderner Gesellschaften" (vgl. Zapf 1991). Niemand hatte am Anfang der Vorbereitung die schnelle deutsche Vereinigung und die radikale Transformation der sozialistischen Gesellschaften vorausgesehen. Es entstanden abrupt neue Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der Soziologie, auf radikalen sozialen Wandel zu reagieren. Als Bernhard Schäfers 1991 die Rolle des Vorsitzenden übernahm, wurde er mit dem Problem der Integration der Soziologen aus Ostdeutschland und der Entwicklung der Soziologie an den ostdeutschen Universitäten konfrontiert. Für wissenschaftliche und professionelle Fragen in Zusammenhang mit dem Transformationsprozess wurde im Vorstand der DGS ein Komitee gegründet, das paritätisch aus ost- und westdeutschen Wissenschaftlern zusammengesetzt war. Kurze Zeit bevor die deutsche Wiedervereinigung erfolgte, hatten ostdeutsche Soziologen die "Gesellschaft für Soziologie Ostdeutschland" gegründet, die Ausdruck für die kollektive Selbstbehauptung der ostdeutschen Soziologen und Soziologinnen ist. Jedoch löste sie sich bereits am 31. Dezember 1992 wieder auf. Unter Leitung des Vorsitzenden Hansgünter Meyer war ein ostdeutscher "Soziologen-Tag" mit dem Thema "Soziologie in Deutschland und die Transformation großer gesellschaftlicher Systeme" durchgeführt worden (vgl. Meyer 1992). Von Hansgünter Meyer u.a. wurde auch das "Berliner Journal für Soziologie" ins Leben gerufen, das sich heute als wichtige soziologische Fachzeitschrift etabliert hat.

Nach einer langen vorbereitenden Diskussion, die zusammen mit dem Berufsverband Deutscher Soziologen und der Gesellschaft für Soziologie (Ostdeutschland) geführt wurde, wurde 1992 ein Ethik-Kodex eingeführt, der maßgeblich von Christel Hopf mitgestaltet wurde. Er kodifiziert Normen für das Verhalten von lehrenden und forschenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die den Maßstäben der Moral und Fairness genügen. Durch eine Ethikkommission soll die Einhaltung dieser Normen überprüft und gewährleistet werden.

Der Bezeichnung nach der letzte "Deutsche Soziologentag" wurde im Jahr 1992 in Düsseldorf durchgeführt; und er war mit "Lebensverhältnissen und Konflikten im neuen Europa" befasst. Wie dieser, so haben sich die neueren Soziologentage verstärkt auf die Herausforderungen ihrer Zeit bezogen und weniger mit internen Problemen der Soziologie, obwohl auch diese - nicht zu Unrecht - weiter Beachtung finden. Für die Zukunft wurde der Name des Soziologentags in "Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie" geändert, weil ausgehend von der starken Sektion "Frauenforschung" eine geschlechtsneutrale Bezeichnung gewünscht wurde. Der Vorsitzende seit 1993, Lars Clausen, setzte wiederum Neuerungen durch, z.B die Jurierung der für den Kongress eingereichten Hauptbeiträge. In seiner Amtszeit trat die DGS als Miteinladerin zum ISA-Weltkongress auf, der 1994 in Bielefeld durchgeführt wurde - organisiert von Peter Weingart und Dietrich Storbeck - und 4000 Soziologen aus aller Welt zusammenführte.

Der 27. und der 28. Soziologiekongress fanden erstmals in ostdeutschen Städten statt, 1995 in Halle und 1996 in Dresden. Um Überschneidungen mit dem Weltkongress von 1994 zu vermeiden, wurde der Zweijahresrhythmus der deutschen Kongresse unterbrochen. Mit den Themen "Gesellschaften im Umbruch" (Halle) und "Differenz und Integration" (Dresden) knüpften sie an klassische soziologische Problemstellungen an und ließen zugleich Raum zur Einbeziehung aktueller "Transformationsprozesse". Eine wieder hergestellte Wertschätzung durch die Politik ist daran ablesbar, dass die Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt (Reinhard Höppner) und Sachsen (Kurt Biedenkopf) den Kongress im jeweiligen Bundesland als Schirmherren eröffneten; und nicht zuletzt daran, dass die dritthöchste Repräsentantin der Bundesrepublik, die Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts Jutta Limbach (ein DGS-Mitglied), in Halle die Eröffungsansprache hielt. Diese Großkongresse nehmen einen neuen Charakter an: Zwar sind die Soziologen nach wie vor eine heterogene, diskussions- und streitfreudige Profession, aber nichtdestoweniger haben sich die Komponenten einer identitätsstiftenden festartigen Veranstaltung verstärkt. 

Unter dem Vorsitz von Stefan Hradil (1994 - 1998) wurde die Kongresse in Dresden (1996) und Freiburg (1998) vorbereitet und durchgeführt. Der Kongress in Freiburg knüpft an die Tradition von Zürich 1928 und Zürich 1988 an, bei denen sich ebenfalls die Soziologen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen gefunden haben. Die DGS befand sich in dieser Zeit in einem ruhigen Fahrwasser. Die Standardprobleme der Organisation der Großkongresse, die Vermehrung der Zahl der Sektionen, die Entwicklung eines Lehrkanons der Soziologie, sowie die Herausgabe des Mitteilungsblattes "Soziologie" dominierten. Bemerkenswert ist die Einführung des René König-Lehrbuchpreises, der für das beste soziologische Lehrbuch aus zurückliegenden beiden Jahren vergeben wird und 1998 auf dem Freiburger Kongress an Uwe Schimank für die "Theorien gesellschaftlicher Differenzierung" verliehen wurde.

VI. Abschließende Bemerkungen

In der langen Zeit ihrer Existenz hat sich die DGS kontinuierlich gewandelt, sowohl was ihre Mitgliedschaft als auch was ihre Aktivitäten betrifft, die mit mehr und weniger öffentlicher Sichtbarkeit ausgeübt wurden. Die Zahl der DGS-Gründer betrug 39 Gelehrte, und lange Zeit erlaubte die Satzung nicht, dass die Zahl der Mitglieder über 150 hinausging. Im Jahr 1956 gab es schließlich 207 Mitglieder, und bis 1968 stieg die Zahl auf 321 (Ziegler 1984). Die Zahl der Mitglieder erhöhte sich stärker als zuvor, nachdem 1970 die neue Satzung eingeführt worden war, und sie erreichte 750 im Jahr 1980 und 1300 im Jahr 1997, der zunehmenden Zahl von Soziologen in Deutschland entsprechend. Der Generationswechsel schreitet vor allem in den letzten Jahren schnell voran. Und die Bemühungen, Soziologinnen in die DGS zu integrieren, waren von Erfolg begleitet. Der Anteil weiblicher Mitglieder wuchs von 8,4% in den Jahren 1955/56 auf 15,6% im Jahr 1989 (Nunner-Winkler 1989, S. 78). Ihr Anteil im Vorstand ist seit einiger Zeit weit höher. Es wird geschätzt, dass 80% aller promovierten Soziologen in Deutschland Mitglied der DGS sind. Was die Anziehungskraft auf die akademischen Soziologen und Soziologinnen betrifft, so hat sich die DGS zweifellos erfolgreich entwickelt.

Mit der anwachsenden Mitgliederzahl wechselte der Charakter der DGS von einer eher esoterischen Gelehrtenvereinigung zu einer breiteren akademischen Vereinigung, die soziologisch-wissenschaftliche Anliegen unterstützt. Die DGS von heute ist eine vielgestaltige Institution mit einer größeren Zahl von Komitees, Sektionen und Arbeitsgruppen. Es gibt kontinuierliche Aktivitäten, die dazu beitragen, soziologische Anliegen in der deutschen Gesellschaft sichtbar zu machen.

Die am meisten beachteten Ereignisse in der DGS waren die 29 Soziologentage und die ihnen folgenden 3 Soziologiekongresse. Sie wuchsen ausgehend von kleinen Tagungen mit ungefähr 100 Teilnehmern und erreichten 470 Teilnehmer beim ersten modernen Kongress, wie der Jubiläumskongress 1959 in Berlin bezeichnet wird. Seit dem Frankfurter Soziologentag wurden Teilnehmerzahlen in der Größenordnung von 3000 erreicht. Die Konsequenzen dieses Wachstums für den Stil der Soziologentage sind nicht zu übersehen. Es handelt sich um Groß-Kongresse, die vier bis fünf Tage dauern, mit zwei- bis dreitausendtausend Teilnehmern und mehreren hundert Präsentationen, also um ein Massenereignis mit kollektiven Ritualen. Im Anschluss daran erfolgt jeweils die Publikation von zwei voluminösen Konferenzbänden. Nicht zuletzt das soziale Klima, das bei den letzten Soziologentagen herrschte, stützt die These, dass diese Kongresse die latente Funktion der sozialen Integration der Soziologen in Deutschland und auch darüber hinaus haben.

Insbesondere auf den Soziologentagen, aber auch durch ihre Einzelaktivitäten, gewannen die Sektionen im Laufe der Zeit mehr Bedeutung. Es gab Abteilungen in der DGS von Anfang an, und Arbeitsgruppen traten auf den Soziologentagen seit 1926 auf, aber heute sind einige Sektionen größer als die ganze DGS in früherer Zeit. Sie halten ihre eigenen Arbeitstagungen ab und tragen einen großen Teil des Programms der soziologischen Kongresse. Die Zahl dieser Sektionen liegt nun bei 29; dazu gehören die Industrie- und Betriebssoziologie und die Frauenforschung, um zwei der wichtigsten Sektionen mit unterschiedlich langer Zugehörigkeit zu erwähnen (siehe die Liste am Ende).

Zum Abschluss sollte nicht unerwähnt bleiben, dass die DGS stets ein Forum für die anhaltenden Diskussionen über die Frage der soziologischen Lehre blieb. Sie beeinflusste in einigem Ausmaß, zumindest intellektuell, die Etablierung der Soziologie zunächst an den Universitäten im Westen und nach der Vereinigung auch im Osten.

Die DGS war nie Gegenstand eines ausführlichen Berichts, der ihre sozialen Prozesse und ihre Bedeutung in Relation zur Soziologie und zur Gesellschaft beschrieb. Manche der hier gegebenen Beschreibungen und Interpretationen sind deshalb fragmentarisch und provisorisch geblieben. Zum Schluss möchte ich auf die Leistung der DGS im Hinblick auf den Etablierungsprozess der Soziologie eingehen. Von den ehemaligen Vorsitzenden, die dazu auf meine Anfrage hin Position bezogen, möchte ich drei zitieren. Ralf Dahrendorf urteilt: "die Nachkriegsgeneration hat die Soziologie ohne und zum Teil gegen die DGS «etabliert» ". Die spätere Professionalisierung dagegen hat wahrscheinlich von der Existenz der DGS profitiert." Die Sichtweise von Joachim Matthes beleuchtet weitere Aspekte: "Nach dem 2. Weltkrieg, so ist mein Eindruck, war sie (die DGS) für lange Zeit eher ein Honoratiorenverein, in dem sich diejenigen, die sich jeweils vor Ort in je ihrer Weise um die Etablierung der Soziologie bemühten, darum bemühten, ihre claims sowohl wechselseitig unter dem Gebot der «Nichteinmischung» zu sichern als auch mit einer gewissen gemeinsamen Legitimation nach außen zu versehen. So war das wohl auch, im Großen und Ganzen gesehen, in der Zeit vor 1933. Obwohl sich dies seit der Mitte der siebziger Jahre etwas geändert hat, ist dieses Merkmal noch einmal mit Macht durchgeschlagen, als es um die Etablierung der Soziologie in den neuen Bundesländern ging...;" Eine mehr skeptische Position im Hinblick auf die Möglichkeiten der DGS, Einfluss auszuüben, wird von M. Rainer Lepsius eingenommen: "Die DGS ist eine Fachvertretung ohne Vollzugsmandat, insbesondere auch gegenüber der Wissenschaftspolitik und den Hochschulverwaltungen. Doch ist sie natürlich immer ein Rahmen für die Herstellung von Selbstverständnissen der Mitglieder und bietet mit ihren Kongressen und Tagungen eine Integrationsleistung an". Es gibt in der Gegenwart wie in der Vergangenheit nachdrückliche Kritik an der Leistungsfähigkeit der DGS, aber einer der hauptsächlichen Kritikpunkte scheint in der letzten Phase doch überwunden worden zu sein: Die Themen, die die Soziologie auf den Soziologentagen und Kongressen aufgegriffen hat, sind heute weniger interne Probleme der Soziologie, sondern vermehrt die Herausforderungen und Probleme, mit denen die moderne Gesellschaft konfrontiert ist.

 

Anmerkung

* Diese Darstellung stellt eine Überarbeitung und Aktualisierung des gleichnamigen Beitrags aus Bernhard Schäfers 1995 (Hg.) Soziologie in Deutschland, Opladen, Leske + Budrich dar. Für hilfreiche Informationen danke ich insbesondere Karl Martin Bolte, Lars Clausen, Ralf Dahrendorf, Uta Gerhardt, Hans-Joachim Hoffmann-Nowotny, Stefan Hradil, Beate Kohler-Koch, M. Rainer Lepsius, Burkart Lutz, Joachim Matthes, Bernhard Schäfers, Erwin K. Scheuch und Wolfgang Zapf. Als breite Informationsgrundlage wurde das viermal jährlich bei Leske + Budrich erscheinende Heft "Soziologie", das Mitteilungsblatt der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, genutzt. Seit dem Ersten Soziologentag von 1910 liegen zu allen Soziologentagen und Kongressen jeweils Tagungsbände vor, die als umfassende Informationsgrundlage verwendet wurden.

 

Literaturverzeichnis

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Anhang: Vorsitzende bzw. Präsidenten der DGS

Zeitraum Präsident/Vorsitz Universitätsort
1909-1933 Ferdinand Tönnies Kiel
1933- 1934 Hans Freyer Leipzig
1946-1955 Leopold von Wiese Köln
1955-1959 Helmut Plessner Göttingen
1959-1963 Otto Stammer Berlin
1963-1967 Theodor W. Adorno Frankfurt am Main
1967-1970 Ralf Dahrendorf Konstanz
1970 Erwin K. Scheuch Köln
1971-1974 M. Rainer Lepsius Mannheim
1974-1978 Karl Martin Bolte München
1979-1982 Joachim Matthes Erlangen-Nürnberg
1983-1986 Burkart Lutz München
1987-1990 Wolfgang Zapf Berlin
1991-1992 Bernhard Schäfers Karlsruhe
1993-1994 Lars Clausen Kiel
1995-1998 Stefan Hradil Mainz
1999-2002 Jutta Allmendinger München
2003-2007 Karl-Siegbert Rehberg Dresden
2007-2011 Hans-Georg Soeffner Essen
2011-2013 Martina Löw Darmstadt
seit 2013 Stephan Lessenich Jena

Anhang: Deutscher Soziologentag 1910 bis 1992

Soziologentage mit einer expliziten Thematik werden in Anführungszeichen gesetzt ("..."), in den anderen Fällen werden Hauptbeiträge erwähnt.

1. Frankfurt am Main (1910) Wege und Ziele der Soziologie
2. Berlin (1912) Nation und Nationalität
...    
3. Jena (1922) "Das Wesen der Revolution"
4. Heidelberg (1924) Soziologie und Sozialpolitik/Wissenschaft und soziale Struktur
5. Wien (1926) Demokratie/Naturrecht
6. Zürich (1928) Konkurrenz/Wanderungen
7. Berlin (1930) Presse und öffentliche Meinung
...    
8. Frankfurt am Main (1946) Die gegenwärtige Situation, soziologisch betrachtet
9. Worms (1948) Jugend/Terror
10. Detmold (1950) Heimat und Fremde/Bürokratisierung
11. Weinheim (1952) Die Berufswahl/Zellen und Cliquen
12. Heidelberg (1954) Zum Ideologieproblem/Die freien Berufe
13. Bad Meinberg (1956) Tradition
14. Berlin (1959) Die Soziologie in der modernen Gesellschaft
15. Heidelberg (1964) "Max Weber und die Soziologie heute"
16. Frankfurt am Main (1968) "Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft?"
17. Kassel (1974) "Zwischenbilanz der Soziologie"
18. Bielefeld (1976) "Materialien aus der soziologischen Forschung"
19. Berlin (1979) "Sozialer Wandel in Westeuropa"
20. Bremen (1980) "Lebenswelt und soziale Probleme"
21. Bamberg (1982) "Krise der Arbeitsgesellschaft"
22. Dortmund (1984) "Soziologie und gesellschaftliche Entwicklung"
23. Hamburg (1986) "Technik und sozialer Wandel"
24. Zürich (1988) "Kultur und Gesellschaft"
25. Frankfurt am Main (1990) "Die Modernisierung moderner Gesellschaften"
26. Düsseldorf (1992) "Lebensverhältnisse und soziale Konflikte im neuen Europa"

Anhang: Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie seit 1995

27. Halle (1995) "Gesellschaften im Umbruch"
28. Dresden (1996) "Differenz und Integration"
29. Freiburg (1998) "Grenzenlose Gesellschaft"
30. Köln (2000) "Gute Gesellschaft? Zur Konstruktion sozialer Ordnungen"
31. Leipzig (2002) "Entstaatlichung und soziale Sicherheit"
32. München (2004) "Soziale Ungleichheit, Kulturelle Unterschiede"
33. Kassel (2006) "Die Natur der Gesellschaft"
34. Jena (2008) "Unsichere Zeiten. Herausforderungen gesellschaftlicher Transformationen"
35. Frankfurt am Main (2010) "Transnationale Vergesellschaftungen"
36. Bochum/Dortmund (2012) "Vielfalt und Zusammenhalt"
37. Trier (2014)  

Anschrift des Autors

Prof. Dr. W. Glatzer
Universität Frankfurt
Fachbereich 3
Robert-Mayer-Straße 5
60054 Frankfurt
Glatzer(at)soz.uni-frankfurt.de

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