Soziologie

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Aktuelles

Zeitschrift

Soziologie Jahrgang 44 - Heft 4 - 2015

Aus dem Inhalt
 
Johannes Weiß:
In wessen Namen?
 
Thomas Luckmann, Hans-Georg Soeffner und Georg Vobruba im Gespräch:
»Nichts ist die Wirklichkeit selbst.«
 
Michael Reif:
Soziologie mit Börsenspiel
 
Geschlossene Gesellschaften.
Themenpapier zum 38. Kongress der DGS in Bamberg

 

Soziologie in der Öffentlichkeit

 

Johannes Weiß:
In wessen Namen?

Ein wesentliches Charakteristikum von Intellektuellen ist der Anspruch, Belange anderer stellvertretend zu artikulieren. Die Legitimation von Stellvertretung ist generell hoch voraussetzungsvoll. Dies gilt erst recht für intellektuelle Stellvertretung, die beansprucht, im Namen allgemein gültiger – gar: allgemeinmenschlicher – Prinzipien aufzutreten. Dies hat im Laufe des 20. Jahrhunderts zu Missbrauch und zu Politik über die Köpfe der Vertretenen hinweg und gegen sie geführt. Gegen das daraus resultierenden tiefen (Selbst-)Misstrauen gegenüber Intellektuellen steht freilich die Notwendigkeit der Stellvertretung jener, die überhaupt nicht in der Lage sind, ihre Belange selbst zu artikulieren. Vor diesem Hintergrund wird in dem Beitrag knapp skizziert, dass eine gegenwärtig legitimierbare Aufgabe von Intellektuellen darin bestehen kann, das Recht auf individuelle Besonderheiten als allgemeines Anliegen öffentlich zu vertreten.

 

Intellectuals can be characterized by their claim to representatively express other people’s interests. To legitimate representation is highly demanding in general all the more so where intellectuals claim to represent interests in the name of generally applicable principles. In the course of the 20th century this led to abuse and to politics over people’s heads and against those represented. The resulting deep (self-)distrust against intellectuals is, however, opposed by the necessity to represent all those who are unable to articulate their interests on their own behalf. Against this background the paper argues that currently a legitimate task of intellectuals can be to publicly represent the right to individual particularities as a general concern.

 

 

Identität und Interdisziplinarität

 

Thomas Luckmann, Hans-Georg Soeffner und Georg Vobruba im Gespräch:
»Nichts ist die Wirklichkeit selbst.«

 

Forschen, Lehren, Lernen

 

Michael Reif:
Soziologie mit Börsenspiel

Finanzmärkte sind zentrale Bestandteile des gegenwärtigen Kapitalismus und stellen ein aktuelles wirtschaftssoziologisches Forschungsfeld dar. In diesem Aufsatz wird über ein Seminar zur Soziologie der Finanzmärkte berichtet, in dem Finanzprodukte und Finanzakteure im Mittelpunkt standen. Die Besonderheit war, dass parallel zur Lehrveranstaltung an einem Börsenspiel teilgenommen wurde. Außerdem war eine Exkursion nach Frankfurt Teil des Programms. Zuerst wird der Seminarplan vorgestellt. Derivate und Ratingagenturen konstituieren die inhaltlichen Schwerpunkte. Zweitens werden die Erfahrungen mit dem Börsenspiel anhand der daraus resultierenden Diskussion dargestellt, und es wird über die Exkursion berichtet. Drittens wird der Einsatz von Schreibdenken beschrieben. Techniken des »Schreibdenkens« wurden im Seminar verwendet und stellen eine Möglichkeit dar, Schreiben in die Lehre zu integrieren. Insgesamt zielte die Kombination von soziologischer Theorie und Empirie sowie der Praxis im Börsenspiel darauf ab, zum Verstehen von Finanzmärkten und Finanzmarktkapitalismus beizutragen.

 

Financial markets are central for contemporary capitalism and constitute a current research field of economic sociology. The article reports about a course on the sociology of financial markets, which focuses on financial products and financial actors. The specific feature was that in parallel with the course the participants took part in a stock market game. A field trip to Frankfurt was part of the program, too. First, I present the syllabus; the main topics were derivatives and rating agencies. Secondly, the discussions resulting from the experiences with the stock market game are described. Besides, highlights of the field trip are presented. Third and finally, Schreibdenken – a synthesis of writing and thinking – will be explained. Techniques of Schreibdenken were used in the course; they constitute a possibility to integrate writing in teaching sessions. Altogether, the combination of theoretical and empirical sociology and the practical experiences in the stock market game was designed to contribute to an understanding of financial markets and financial market capitalism.

 

Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten:
Stellungnahme zur Archivierung und Sekundärnutzung von Daten der qualitativen Sozialforschung

Der RatSWD will optimale Bedingungen für die Genese von und den Zugang der Wissenschaft zu Forschungsdaten herstellen. Er befürwortet grundsätzlich die Archivierung und die Bereitstellung qualitativer Daten für Sekundäranalysen. Der RatSWD erkennt an, dass die Frage der Möglichkeit, der Angemessenheit und des wissenschaftlichen Nutzens von Sekundäranalysen nach Materialart und Forschungsmethoden differenziert zu beantworten ist. Er spricht sich dafür aus, auch im Bereich der qualitativen Sozialforschung grundsätzlich eine Kultur der Datenbereitstellung zu fördern. Hier sind Forschende typischerweise aktiv in die Produktion von Datenmaterial eingebunden, so dass die Frage der Datenweitergabe die Frage des geistigen Eigentums berührt. Es gilt, Archivierungsverfahren bereit zu stellen, die versprechen, den Wert des Datenmaterials zu erhalten, ohne den Datenschutz zu gefährden. Regelungen zur Archivierung wie zur Sekundärnutzung dürfen den Feldzugang für Primärforschende nicht einschränken. Der RatSWD befürwortet die Archivierung qualitativer Daten und ihre Bereitstellung für Sekundäranalysen soweit dies ohne nachvollziehbare Gefährdung der primären Forschungsziele möglich ist. Bei Drittmittelprojekten soll die Vorlage eines Datenmanagementplans bei der Beantragung obligatorisch gemacht werden. Die Entscheidung über die Eignung von Daten für eine Sekundärnutzung darf keinen Einfluss auf die Genehmigung beantragter Projekte haben.

 

The German Data Forum’s goal is to create excellent conditions for generating and accessing data for research. In principle it supports the archiving and re-use of qualitative data. The German Data Forum recognizes that the feasibility, adequacy and scientific merit of re-using data vary and require a nuanced approach depending on the type of material and the research methods that were used. It advocates fostering a culture of data sharing in qualitative social research. Since researchers are often actively involved in data production in qualitative social research, the issue of data sharing is closely linked to the issue of intellectual property. It is therefore necessary to establish archiving methods that preserve the value of the material without compromising data protection. Regulation on archiving and re-use must not prevent the original researchers from accessing their fields. The German Data Forum supports archiving and re-use of qualitative data insofar as this is possible without compromising original research aims. The submission of a data management plan should be made obligatory when applying for external funding. The decision as to whether data are suitable for re-use, however, should not influence a project’s approval.

 

 

DGS-Nachrichten

 

  • Geschlossene Gesellschaften. Themenpapier zum 38. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie 2016 in Bamberg
  • Open Access für die SOZIOLOGIE
  • Veränderungen in der Mitgliedschaft

 

Berichte aus den Sektionen und Arbeitsgruppen

 

  • Sektionen Arbeits- und Industriesoziologie und Umweltsoziologie
  • Sektion Entwicklungssoziologie und Sozialanthropologie
  • Sektion Politische Soziologie
  • Sektion Professionssoziologie
  • Sektionen Soziale Ungleichheit und Sozialstrukturanalyse, Medizin- und Gesundheitssoziologie und Soziologische Netzwerkforschung
  • Sektion Sozialpolitik

 

Nachrichten aus der Soziologie

 

  • Martin Bauer, Christina Müller: Soziopolis – Gesellschaft beobachten
  • Petra Dannecker, Gudrun Lachenmann, Ulrike Schultz: In memoriam Dieter Goetze
  • Bernhard Schäfers: In memoriam Bernd Hamm
  • Barbara Stambolis: In memoriam Arno Klönne
  • Habilitationen 

  • Call for Papers

    • Bildungserfolge im Lebensverlauf
    • Verzeihen – Versöhnen – Vergessen?
    • SOEP Innovation Sample

  • Tagungen

    • Gefährliche Ungleichheiten
    • Fleisch. Vom Wohlstandssymbol zur Gefahr für die Zukunft

29.09.2015 Alter: 241 Tage